Leseprobe

Picture
1. Leseprobe:
Wir verschwanden blitzschnell in unsere Unterstände unter Zurücklassung unserer Mittagsmahlzeit, aber im Unterstand hatten wir auch Wasser und Proviant. Nun fing das Inferno so richtig an. Zirka 8 Stunden lang hagelten, mit kurzen Feuerpausen, Granaten auf uns nieder. Es waren zwar keine schweren Granaten, sondern Granatwerfer- und Raketengeschosse, die wenige Zentimeter in den Boden eindrangen und nur einen flachen Trichter hinterließen, die aber eine große Splitterwirkung besaßen. Für die SS-Einheit in ihren notdürftig ausgehobenen Stellungen war der Beschuss verheerend. Wir hörten die Schreie der Verwundeten und die Rufe nach dem Sanitäter. Dann krachte es unmittelbar neben und auf uns. Der Sand rieselte durch die Ritzen der Stämme und diese erzitterten. Wir hatten, wie wir später sehen konnten, einen Volltreffer genau auf die Abdeckung bekommen und einige Treffer dicht daneben, aber keinen im Eingangsbereich unseres Bunkers. Pulverdampf drang in den Unterstand und erschwerte uns das Atmen. Dazu kam ein penetranter Gestank. Meine Mutter gab mir zu trinken und ich bemerkte, wie sie zitterte. Da wir dicht gedrängt saßen, spürte man das auch von den anderen. Zunächst verängstigt, dann apathisch und abgestumpft vom ohrenbetäubenden Bersten der Geschosse warteten wir auf das Ende und hofften doch alle mit dem Schrecken davon zu kommen.

2. Leseprobe: Am 5. September begann die Fischerei auf Hering. Um uns herum waren viele Fischereifahrzeuge der unterschiedlichsten Nationen, Westdeutsche, Holländer, Dänen, Norweger, Engländer, aber auch Polen und Sowjets. Das erste Aussetzen bei Morgengrauen leitete der Kapitän, später war es der 1. Steuermann. Jeder von uns bekam seinen Platz zugewiesen. Besonders wir beiden Neuen wussten noch nicht so recht, wo, was und wie wir anpacken sollten. Zuerst ging der Steert, mit einem Spezialknoten versehen, wofür der 2. Steuermann verantwortlich war, über das Schanzkleid an Steuerbordseite, dann das übrige Netz mit Grundtau und Headleine. Schließlich ließ der 1. Steuermann das Höhenscherbrett ins Wasser gleiten. Es folgten die einzelnen Leinen. Die Seitenscherbretter wurden mittels G-Haken an den Netzstandern befestigt und ins Wasser gelassen. Der Logger nahm Fahrt auf und die Kurrleinen wurden gefiert. An den beiden Kurrleinentrommeln standen erfahrene Matrosen, die die Bremsen betätigten und für das gleichmäßige Fieren verantwortlich waren. Als die erforderliche Kurrleinenlänge gesteckt war, ging der Logger auf Schleppkurs. An Deck wurde alles für das spätere Hieven vorbereitet. Danach konnten wir uns unter Deck begeben, frühstücken und etwas ruhen.