Leseprobe

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Bild: Diego Suarez - Madagaskar


1. Leseprobe:
Inzwischen war die Dunkelheit hereingebrochen, was hier in unmittelbarer Nähe des Äquators, ohne lange Dämmerung, sehr schnell geschieht. Die Stadt erstrahlte im Lichterglanz der Straßenbeleuchtung, der Geschäftsauslagen und der Beleuchtung öffentlicher Gebäude und Wohnungen. Auf den Bürgersteigen waren mit Holzfeuer betriebene Grill- und Kocheinrichtungen aufgestellt, dazu auch schmale Tische und Stühle. An solch einem Stand, der, wie es aussah, von Mutter und Tochter betrieben wurde, machten wir Halt. Es duftete recht angenehm und wir bestellten etwas Gebratenes und eine Flasche Wasser. Von dem Geschmack war ich sehr enttäuscht. Ich konnte mich nicht erinnern, ähnliches Fleisch schon einmal verzehrt zu haben und vermute, dass es Ziegenfleisch war. Wir haben es nicht aufgegessen und sind weitergegangen.

Im Zentrum der Stadt kamen wir zur Milieukneipe „Harlem“. Hier befanden sich schon fast alle Landgänger meines Schiffes. Ausgestattet war der Raum mit einfachen Holztischen und harten Holzstühlen sowie einer Bar mit Barhockern. Wir wurden mit lautem „Hallo“ begrüßt. Es sprach sich wohl schnell herum: „Das ist der Kapitän“. Wir setzten uns an einen Tisch, und die Betreiberin, eine Französin so um die 40, kam persönlich zu uns und spendierte, wie sie sagte, „ein Bier für den Kapitän“.

Fast alle hatten ein Mädchen neben sich oder auf den Knien sitzen und ein Getränk auf dem Tisch stehen. Es dauerte nicht lange, da hatte auch ich eine Schönheit auf dem Schoß sitzen. Nun ja, ich machte ihr klar, dass sie sich keine Hoffnungen machen sollte, und so verschwand sie auch bald in der Tiefe des Raumes. Später habe ich erfahren, dass dies von einigen meiner Leute organisiert worden war. Sie wollten sehen, wie der Kapitän auf diese erotische Annäherung reagieren würde. Wie sie sehen konnten, geschah nichts. An der Bar saßen noch einige andere Europäer, wahrscheinlich französische Auslandsmonteure, mit ihren Mädchen. Nach einem weiteren Bier sind wir gegangen.

Der Abend war schon fortgeschritten, aber die Stadt und vor allem ihre Plätze pulsierten von der Aufgeschlossenheit und Lebenslust dieser Menschen. Auf Bühnen wurden Darbietungen gezeigt, Musik spielte und auf einfachen Holzdielen wurde getanzt. Mit den Sanitäreinrichtungen nahm man es hier nicht so genau. Ein kleines Rondell mit vielleicht sechs durch Seitenwände getrennte „Gelegenheiten“ besaß halbhohe Klapptüren. Man musste darüber hinweggucken, um zu sehen, ob da jemand saß oder ob es frei war. Gegen Mitternacht war ich mit meinem 1. Offizier von dieser wirklich interessanten Tagestour zurück an Bord.

2. Leseprobe:                                                                                                       
Am Morgen des 18. März bin ich mit dem Garnelenfänger “Magaruque“ ausgelaufen. Ich bekam im Brückenhaus an Backbordseite die Koje des Kapitäns zugeteilt. Er selbst zog in die Koje über mir ein. Auf der Steuerbordseite wurden die beiden Kojen vom Chief und vom Steuermann belegt. Der Produktionsmeister, der sonst ebenfalls im Brückenhaus seine Koje hatte, zog ins Vorschiff zu den Mannschaften. Alle anderen, 16 an der Zahl, darunter zwei Motorenwärter, der Koch und zwei Netzmacher, waren im Vorschiff untergebracht.

Nun war ich also, was ich noch vor Jahresfrist nicht für möglich gehalten hatte, in Afrika auf engstem Raum allein unter schwarzen Menschen. Unwohl war mir nicht dabei und Bedenken zu meiner Sicherheit hatte ich auch nicht. Ich vertraute der Freundschaft dieser Menschen und habe mich darin auch nicht getäuscht.

Morgens war die halbe Mannschaft an Oberdeck; dort putzten sich alle die Zähne, wo sie gerade saßen oder standen. Das war fast schon ein Ritual. Von einer bestimmten Holzart, die unserer Weide ähnelte, wurden dünne, in handliche Länge geschnittene Zweige benutzt, mit deren geschälten Trieben die Zähne gerieben wurden.

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Bild: Garnelenfänger aus Angoche


Als ich mich mit Seife wusch und mir mit Zahnbürste und Creme die Zähne putzte, war das an Bord so außergewöhnlich, dass ich dabei viele Zuschauer hatte. Am Ende meines Bordaufenthaltes habe ich dem Kapitän und zwei, drei anderen eine große Freude bereitet, indem ich ihnen Seife, Zahnpasta, Bürste und Rasierklingen schenkte.

Gleich in der ersten Nacht wurde ich von einem Krabbeln an meinen Füßen geweckt. Ich schreckte hoch und da ich alle meine Sachen am Fußende zu liegen hatte, nahm ich an, dass mich jemand bestehlen wollte. Zum Glück war es falscher Alarm. Es waren nur die an Bord in großer Zahl vorhandenen Kakerlaken, die über meine Füße krabbelten.

So habe ich hier an Bord eine ganze Woche verbracht und dabei sehr freundliche und hilfsbereite Menschen kennen gelernt.

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Bild: Die Strasse vor unserem Objekt nach einem Tropenregen

3. Leseprobe
Wenige Tage nach meiner Ankunft erlebte ich die ersten großen Regenfälle, die hier durch ein Gewitter entstanden. Es goss in Strömen, und anders als bei uns in Mitteleuropa war die Regenmenge sehr ergiebig. Das Gewitter wurde begleitet von zahlreichen Blitzen und Donnerschlägen.

Die Kanalisation war von diesen Regengüssen überfordert. Schon am nächsten Tag standen die Straßen unter Wasser, das soweit es die Umgebung erlaubte als Oberflächenwasser ablief oder auf den Straßen verblieb. Der Druck aus der Kanalisation wurde schließlich so stark, dass sich die Gullydeckel anhoben und das Gullyloch freigaben. Da hieß es für die Autofahrer „Aufpassen“. Manche dieser Gefahrenquellen waren am sprudelnden Wasser zu erkennen, andere aber auch nicht. Des Öfteren lag dann ein Auto mit gebrochener Achse oder Radaufhängung am Straßenrand. Die Straße vom Hafen oder von unserem Wohnhaus nach Faroua war von diesem Gullyproblem besonders betroffen. Da ich mir bei trockenem Wetter die Stellen merkte, wo sich Gullys befanden, bin ich nie in ein solches Loch geraten. Auch die anderen Kraftfahrer unseres Projektes ließen Vorsicht walten. In besonders kritischen Situationen wurde ein Fahrstopp angeordnet.